Reiserecht – Wie verhalte ich mich bei Reisemängeln?

Der Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres sein, doch nicht immer halten Prospekte oder Reiseveranstalter was sie versprechen. Liegt ein Reisemangel vor, gilt es einiges bei der Vorgehensweise und der Einhaltung von Fristen zu beachten.
Zunächst hat der Reisende nach der Entdeckung des Reisemangels Abhilfe zu verlangen.
Er muss den Reiseveranstalter (z.B. Reiseleitung vor Ort) unter Einräumung einer angemessenen Frist zur Beseitigung des Mangels schriftlich aufzufordern. Die Angemessenheit der Frist richtet sich nach der schwere des Mangels. Wird der Reisende z.B. beim nicht gebuchten Hotel abgesetzt, gilt eine Frist von wenigen Stunden als angemessen.

Die Mängelanzeige ist sofort vom Reiseveranstalter (z. B. örtlichen Reiseleiter) schriftlich zu bestätigen. Wird dies verweigert, kann eine Dokumentation durch die Unterzeichnung von mitreisenden Zeugen, deren Namen und Anschriften zu notieren sind, erfolgen. Die umfassende Dokumentation sollte durch Bildmaterial gestützt werden.

Erfolgt innerhalb der gesetzten Frist keine Abhilfe, kann der Reisende zur Selbsthilfe greifen – z.B. bei fehlendem Transferfahrzeug zum Hotel, kann ein Taxi genommen werden. Liegt zusätzlich ein schwerer Reisemangel (z.B. Hotel ist unbewohnbar) vor, kann der Reisevertrag gekündigt werden.

Nach der Rückkehr vom Urlaubsort müssen die Ansprüche (Kosten der Selbstabhilfe, Minderung etc.) innerhalb eines Monats nach dem vertraglich vorgesehenen Ende der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter angezeigt werden. Der rechtzeitige Zugang ist vom Reisenden zu bewiesen. Die Versendung als Einschreiben mit Rückschein ist ratsam.

Die Höhe des Anspruchs ist vom Einzelfall abhängig und schwankt zwischen den einzelnen Gerichtsorten. Einen Anhaltspunkt gibt die sog. Frankfurter Tabelle. Diese listet geordnet in 4 Gruppen verschiedenen Reisemängeln prozentuale Reisepreisminderungen zu. So kann z.B. der Reisepreis bei Ungezieferbefall um 10-50%, bei häufigem Stromausfall um 10-20% und bei Lärm in der Nacht um 10-40% gemindert werden.

Erkennt der Reiseveranstalter die Ansprüche gar nicht oder nur zum Teil an, gilt es die Klagfrist von 2 Jahren nach dem vertraglich vereinbarten Ende der Reise zu beachten.
Die 2-Jahres-Frist kann durch den Reiseveranstalter durch Vertrag auf 1 Jahr verkürzt werden. Daher sind regelmäßig die Reisevertragbedingungen zu studieren.

Stand: August 200

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