Familienrecht – Was ist in der Trennungszeit zu beachten?

Nach deutschem Recht kann eine Ehe nur geschieden werden, wenn beide Ehegatten mindestens 1 Jahr getrennt leben und die Ehe zerrüttet ist.
Die Scheidung nach 1 Jahr Trennung ist nur im gegenseitigen Einverständnis möglich.

Wird dies verweigert, muss die Zerrüttung ausdrücklich festgestellt werden. Bei Nichtgelingen, wird diese erst nach einer Trennung von 3 Jahren unwiderleglich vermutet.

Trennung bedeutet totale Trennung. Die Eheleute müssen alle Gemeinsamkeiten in allen Lebensbereichen aufgeben, d.h. getrennte Schlafzimmer, kein gemeinsames Essen oder Freizeitgestaltung. Eine Trennung innerhalb der gemeinsamen Wohnung ist möglich, erfordert aber eine detaillierte Aufteilung aller Räume.

Bereits jetzt können Vereinbarungen zu Fragen des Unterhalts, Sorgerechts, Umgangsrechts, der Ehewohnung und des Hausrats getroffen werden. Diese sind schriftlich festzuhalten. Ggf. kann eine Entscheidung des Familiengerichts herbeigeführt werden.

Mit der Trennung kann ein Ehegatte den sog. Trennungsunterhalt verlangen. Diese jedoch nur bei Bedürftigkeit und begrenzt durch die Leistungsfähigkeit des zahlenden Ehegatten.

Für die Kinder ist angemessener Kindesunterhalt zu zahlen. Was angemessen ist, ist der sog. „Düsseldorfer Tabelle“ zu entnehmen. Dort sind gestaffelt in 4 Altersgruppen dem jeweiligen bereinigten Nettoeinkommen Beträge zugeordnet.

Nach Gesetz haben beide Ehegatten für ihre Kinder das gemeinsame Sorgerecht. Bei einer Trennung ist zu überprüfen, ob dies praktikabel ist (z.B.: Ehegatte verzieht). Daneben ist auch das Umgangsrecht, also wie oft und wie lange die Kinder gesehen werden dürfen, zu regeln.

Hinsichtlich der Ehewohnung oder des gemeinsamen Hauses ist z.B. zu entscheiden, wer darin verbleiben soll. Bei einem Streit hierüber kann das Familiengericht einem Ehegatten die Wohnung überlassen.

So lange noch ein ungehinderter Zugang zu Dokumenten möglich ist, sind Beweise für den später zu zahlenden Zugewinnausgleich zu sichern. Es sind Arbeitgeber und Einkommen zu notieren und ein Verzeichnis zu den Bankkonten, Grundstücken, Versicherungen und den Vermögenswerten, wie z.B. Schmuck, anzulegen.

Für den späteren Versorgungsausgleich (Rentenausgleich) sind Rentennachweise zu sammeln.

Um schwere Rechtsnachteile zu vermeiden, ist bereits jetzt anwaltlicher Rat einzuholen. Wobei zu empfehlen ist, dass jeder Ehegatte einen eigenen Rechtsanwalt mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt.

Stand: September 2005

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