Versicherungsrecht – Mehr Geld aus der Lebensversicherung?

Seit dem 01.01.2008 ist das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Kraft. Damit wurde das fast 100 Jahre alte Gesetz einer grundlegenden Reform zugunsten der Versicherungsnehmer unterzogen.

Insbesondere die neu geregelten umfassenden Beratungs- und Informationspflichten sind von großer Bedeutung. Danach ist der Versicherungsvertreter verpflichtet, seinem Kunden vor Abschluss eines Versicherungsvertrages die wesentlichen Unterlagen und Informationen zur Versicherung zur Verfügung zu stellen. Das Beratungsgespräch ist zu dokumentieren. Ein Verstoß kann Schadenersatzansprüche nach sich ziehen.

Die neuen Regelungen zur Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten bringen ebenfalls eine deutliche Verbesserung. Der Versicherungsnehmer muss nur die Angaben machen, nach denen er schriftlich befragt wird. Das Risiko einer Fehleinschätzung, ob ein Umstand für das versicherte Risiko erheblich ist, liegt damit allein bei der Versicherungsgesellschaft.

Des Weiteren wurde ein Widerrufsrecht eingeführt. Nunmehr kann ein Versicherungsvertrag nach Abschluss ohne Angabe von Gründen und unabhängig vom Anschlussort innerhalb von 14 Tagen – bei einer Lebensversicherung innerhalb von 30 Tagen – gekündigt werden.

Die Befreiung von der Zahlungspflicht im Schadensfall wurde verbessert. So bedeutet eine fahrlässige Handlung des Versicherungsnehmers keinen kompletten Ausschluss von der Versicherungsleistung mehr. Das “Alles oder nichts” – Prinzip gilt nicht mehr. Der Versicherte erhält einen anteiligen Versicherungsschutz, wenn er vertragliche Pflichten grob fahrlässig verletzt. Die Leistung der Versicherung wird abhängig vom Grad des Eigenverschuldens gekürzt.

Die bisher geltende absolute Ausschlussfrist bezüglich der Ansprüche des Versicherungsnehmers von einem Jahr entfällt ebenso wie die Klagefrist von sechs Monaten. Bis Ende 2007 hatte der Versicherte innerhalb von sechs Monaten seine Ansprüche geltend zu machen, wenn diese von seinem Versicherungsunternehmen abgelehnt wurden. In der Zukunft unterliegen auch Ansprüche aus Versicherungsverträgen grundsätzlichen der 3jährigen Verjährungsfrist.

Bei der Lebensversicherung werden die Versicherten zukünftig angemessen an den mit ihren Prämien erwirtschafteten Überschüssen beteiligt. Erstmals erhält der einzelne Versicherungsnehmer auch einen Anspruch auf Beteiligung an den stillen Reserven. Daher ist in Zukunft mit einer höheren Kapitalbeteiligung bei der Auszahlung von Lebensversicherungen zu rechnen.

Stand: Juni 2008

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