Familienrecht – Wie oft darf ich mein Kind sehen?

Nach einer Trennung der Eltern stellt sich häufig die Frage, wie oft und wie lange das umgangsberechtigte Elternteil sein Kind sehen darf.
Im Bürgerlichen Gesetzbuch findet sich keine Regelung über Zeit, Dauer und Häufigkeit des elterlichen Umgangs. Dort ist lediglich das Kind das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil notiert. Jedes Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.

Da gesetzliche Regelungen fehlen, wurden die Grundregeln von der Rechtsprechung entwickelt.

Bei der Dauer des elterlichen Umgangsrechts hat sich eine altersabhängige Gestaltung herausgebildet.

Ein Kleinkind (0-3 Jahre) darf in der Regel nur wenige Stunden mit dem umgangsberechtigen Elternteil verbringen. In diesem Alter ist zumeist aufgrund der starken Unselbstständigkeit ein begleiteter Umgang notwendig. Das bedeutet, dass der Umgang in den Räumlichkeiten des Jugendamtes in Anwesenheit eines Mitarbeiters des Jugendamtes stattfinden wird.

Ein Kind im Alter zwischen 4 – 6 Jahren wird einen ganzen Tag und ein schulpflichtiges Kind wird normalerweise 1-2 Tage – z.B. von Freitag, 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr – mit dem unterhaltsberechtigten Elternteil verbringen können.

Üblich sind Besuchstermine alle 14 Tage, wobei Sonderregelungen an den hohen gesetzlichen Feiertagen – wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten -, den Ferien und am Geburtstag des Kindes zu treffen sind.

Meistens wird geregelt, dass das Kind die hohen Feiertage bei dem Elternteil verbringt, bei dem es wohnt und den zweiten Feiertag beim umgangsberechtigten Elternteil. Die Ferien werden hälftig geteilt. Unter Berücksichtigung des Alters sind auch mehrwöchige Auslandsreisen möglich.

Wichtig sind Regelungen zu den Modalitäten des Abholens und Wiederbringens und was geschieht, wenn das Kind oder der umgangsberechtigte Elternteils erkrankt.

Grundsätzlich haben die Eltern die Möglichkeit, eine Umgangsregelung selbst zu treffen. Da nach einer Trennung die Kommunikation zwischen den Eltern oft schwierig ist, sollte anwaltlicher Beistand in Anspruch genommen werden.

Lässt sich keine einvernehmliche Regelung finden, kann der umgangsberechtigte Elternteil das Familiengericht anrufen. Das Gericht wird unter Berücksichtigung des Kindeswohls eine Umgangsregelung treffen.

Ist das Kindeswohl gefährdet, kann das Familiengericht den Umgang einschränkten oder aufheben. Eine solche Gefährdung nimmt die Rechtsprechung beispielsweise bei drohendem sexuellem Missbrauch oder bei drohender Kindesentführung an.

Stand: April 2011

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.